Schwierige Bedingungen für guten Schulstart

Das Corona-Schuljahr 2020/2021

Wenige Tage vor Schuljahresbeginn sieht die GEW NRW die Schulen schlecht auf das Corona-Schuljahr 2020/2021 vorbereitet. Das Konzept der Landesregierung zum „angepassten Schulbetrieb“ wird von der GEW NRW kritisch gesehen. Die medienwirksam verkündete Maskenpflicht lenkt davon ab, dass die Politik die Schulen unzureichend vorbereitet hat.
Schwierige Bedingungen für guten Schulstart

Foto: a_sto/photocase.de

„Wenn Schulministerin Yvonne Gebauer von der Möglichkeit eines weitgehenden Regelbetriebs spricht, so ist das schlicht ministerielles Wunschdenken. Uns erreichen zahlreiche Rückmeldungen von Schulleitungen, Kolleg*innen und Personalräten, die Unverständnis und Kritik äußern: zu spät, zu vage, zu unrealistisch sind die Maßnahmen. Leider müssen wir feststellen, dass Lehrer*innen, Schüler*innen und Eltern nach sechs Wochen Sommerferien vor einem nicht gut vorbereiteten Schulstart stehen“, erklärte GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern auf einer Landespressekonferenz zum Schuljahresbeginn im Düsseldorfer Landtag. Die GEW-Landesvorsitzende machte das an vier Punkten deutlich:

Abstandsgebot statt Maskenpflicht

Schulministerin Yvonne Gebauer hat eine durchgängige Maskenpflicht im Unterricht angeordnet und droht mit Schulverweisen, wenn Schüler*innen sich nicht daranhalten. Die Leopoldina unterstützt aus wissenschaftlicher Sicht diese Vorgabe. Die GEW NRW lehnt durchgängige Maskenpflicht im Unterricht aus pädagogischen und praktischen Gründen ab. Stattdessen hätte auf ausreichend Abstand gesetzt werden müssen. „Das AHA-Prinzip muss auch in den Schulen gelten und solange der Abstand nicht eingehalten werden kann, muss der Unterricht entzerrt werden“, so die GEW-Landesvorsitzende. Zusätzlich wäre die Anschaffung von CO2-Ampeln sinnvoll. Sie helfen bei der Umsetzung der regelmäßig erforderlichen gründlichen Lüftung der Räume.

Lehrkräftemangel

„Es ist absolut notwendig und richtig, dass Kolleg*innen aus Risikogruppen vom Präsenzunterricht ausgelassen werden“, so Maike Finnern. Die Schulen werden jedoch dann mit der Situation umgehen müssen, dass Lehrkräfte aus Risikogruppen fehlen, im Einstellungsverfahren zum Schuljahr 2020/2021 – wie uns unsere Personalräte berichten – viele Stellen nicht zu besetzen sein werden und tausende Stellen sowieso seit Jahren unbesetzt sind. In der Summe ist klar: Das Schuljahr 2020/21 wird geprägt sein von eklatantem Lehrkräftemangel – bei einigen Schulen bis zu 30 Prozent.

Digitalisierung und Distanzunterricht

Viel Geld hat die Landesregierung in die Hand genommen, um die Digitalisierung in den Schulen voranzubringen. Das ist gut und notwendig. Die Forderung der GEW NRW nach dienstlichen Endgeräten wurde endlich umgesetzt. Zwar kam der Entschluss dazu verspätet, aber diese Maßnahme begrüßen wir. Geräte allein sind nicht genug. Die Kolleg*innen brauchen Fortbildungen und verlässliche Konzepte für ein Lernen auf Distanz. Ebenso braucht es verlässliche und geprüfte Software. Bedauerlich ist, dass der Landtag erst nach Schulbeginn den rechtlichen Rahmen beschließen wird, der künftig das Miteinander von Präsenz- und Distanzunterricht regeln soll. Auch die Handreichung für das Lernen auf Distanz kam erst in dieser Woche. Das ist vor allem deswegen bedauerlich, weil wir leider fest damit rechnen müssen, dass es erneut – wenn auch nur partiell – zum Distanzunterricht kommen wird.

Regelmäßige Testungen

Die GEW NRW hat diese Testungen gefordert, aber auch hier treten Probleme bei der Umsetzung auf. Die Kolleg*innen können zurecht erwarten, dass das Prozedere so rechtzeitig und eindeutig geregelt ist, dass es auch umsetzbar ist. „Die Befristung bis zu den Herbstferien ist aus unserer Sicht unzureichend“, so Maike Finnern.

Weitere schulpolitische Vorhaben warten auf Umsetzung

Die GEW-Landesvorsitzende verwies auch auf eine Reihe von schulpolitischen Vorhaben der Landesregierung, die versprochen und bereits angekündigt waren, aber in den vergangenen Monaten nicht umgesetzt wurden. Sie nannte beispielhaft die Reform der verfassungswidrigen Besoldungsstruktur mit einer einheitlichen Eingangsbesoldung nach A13 Z für alle Lehrkräfte, die noch in der Schwebe sei. Auch sei die ursprünglich für die Jahresmitte 2020 geplante Einführung eines schulscharfen Sozialindexes nicht umgesetzt worden, mit dem vor allem besonders herausgeforderte Schulen mehr Ressourcen und Lehrer*innenstellen für bessere Bildung und Förderung von benachteiligten Schüler*innen erhalten sollen.

Berthold Paschert, Pressesprecher der GEW NRW