Grundschulen brauchen politische Entscheidungen

Wann gibt es mehr Geld und einen echten Masterplan?

Die Grundschulen in NRW fühlen sich im Stich gelassen. Statt eines großen Wurfs plant die Landesregierung primär öffentlichkeitswirksame Maßnahmen. Die Fokussierung auf den Deutsch- und Mathematikunterricht wird die grundlegenden Probleme der Grundschule nicht lösen. Ein Kommentar von Christiane Mika, Vorsitzende des Grundschulverbands NRW.
Grundschulen brauchen politische Entscheidungen

Foto: Dominik Buschardt

Der Grundschulverband hat in seinen Forderungen an Politik, Pädagogik und Gesellschaft anlässlich des Bundesgrundschulkongresses am 13. und 14. September 2019 klar definiert, was eine zukunftsfähige Grundschule braucht. Die Grundschule übernimmt als einzige gemeinsame Schule für alle Kinder – wie bei ihrer Gründung 1919 beabsichtigt – eine wesentliche Aufgabe des Schulsystems. Dafür braucht die Schulform eine Politik, die ihre Funktion ernstnimmt und die Grundschule als Fundament aller schulischen Bildungseinrichtungen fundamental gut und handlungsfähig ausstattet.

Grundschulen brauchen Zeit und Geld

Die Grundschule braucht mehr Zeit für Kinder, denen durch eine erweiterte Stundentafel und durch ganztägige und ganzheitliche Angebote eine allseitige Bildung in der inklusiven Schule ermöglicht werden muss. Qualifizierung und zusätzliche Aufgaben von Lehrkräften müssen in Arbeitszeitberechnungen erfasst und berücksichtigt werden. Dafür bedarf es vor allem für Lehrer*innen an Grundschulen in herausfordernden Lagen einer spürbaren Entlastung.
Eine pädagogische Infrastruktur, die sich mit ihrer Gebäude-, Raum- und Sachausstattung an den Aufgaben und Bedarfen aller an Schule Beteiligten orientiert und Teilhabe ermöglicht, erfordert mehr Geld. Ebenso gelingt eine faire Besoldung der Grundschullehrkräfte nicht ohne zusätzliche Finanzmittel.

Öffentlichkeitsarbeit statt wirksamer Hilfe

Der großen gesellschaftlichen Herausforderung Bildungsgerechtigkeit herzustellen, steht seit Jahren die Unterversorgung insbesondere der Grundschule entgegen. Statt strukturelle Abhilfe zu schaffen, konzentriert sich die nordrhein-westfälische Schulpolitik auf öffentlichkeitswirksame Teilbereiche des Deutsch- und Mathematikunterrichts und setzt Lehrkräften Handreichungen und neue Lehrpläne vor.

Um die Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte in den Schulen auszuweiten, fehlen schulpolitische Konsequenzen. Nur so können Grundschullehrkräfte die anstehenden Herausforderungen durch Zeit- und Finanzressourcen umsetzen.

Grundschulen warten auf den großen Wurf

Alles, was bisher zum Masterplan Grundschule von der Landesregierung bekannt geworden ist, liest sich nicht wie der große Wurf. Es scheint hier nicht um die Umsetzung zeitgemäßer und zukunftsfähiger Pädagogik zu gehen, sondern um eine Fokussierung auf die Kernfächer und die Unterstützung der Lehrkräfte durch die Qualitäts- und UnterstützungsAgentur –Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS).

Seit 100 Jahren zeigt die Grundschule sich als reformfreudige und innovative Schulform, die konstruktiv vom Kind aus denkt und mit didaktischen Konzepten und Methoden auf Herausforderungen reagiert. Dafür braucht sie aber auch die nötigen Voraussetzungen. Dringend notwendig wäre beispielsweise eine deutliche Positionierung für die pädagogische Ausrichtung inklusiver Schulbildung und die Wertschätzung der Landesregierung für die Integrationsleistung der Grundschule.

Christiane Mika
Vorsitzende des Grundschulverbands NRW